Livernose
- die reizvolle Variante des Rhodesian Ridgeback
Die Genetik
Der Rhodesian Ridgeback wird von hellweizen- bis rotweizenfarben
gezüchtet. In den meisten Fällen verfügt er über schwarzes Pigment
(Eumelanin). Dieses bewirkt die Ausfärbung des schwarzen
Nasenspiegels, der dunklen Maske und Behänge, aber auch dunkle
Augenfarbe, pigmentiertes Zahnfleisch, schwarze Zitzen und Krallen
sowie einen schwarzen Violfleck. Bildet ein Hund kein schwarzes
Pigment aus, handelt es sich um einen Livernose, lebernasigen oder
rotnasigen Ridgeback. Vom fehlenden schwarzen Pigment ist jedoch
nicht nur die Nase betroffen, wie man wegen des Namens vermuten
könnte, sondern alle oben beschriebenen Körperteile. Der ganze
farbliche Unterschied zwischen schwarznasig und livernosed wird von
einem Gen bestimmt. In der dominanten (BB) und spalterbigen oder
heterozygoten Form (Bb) ist der Hund phänotypisch schwarznasig,
dabei können wir nicht oder kaum unterscheiden ob ein Hund
reinerbig oder spalterbig ist. In der rezessiven Form (bb) ist der
Ridgeback lebernasig. Wir haben es hier mit einem einfachen do-
minantrezessiven und nicht geschlechtsgebundenen Erbgang zu tun.
Die Verteilung zwischen blacknosed und livenosed lässt sich mit der
2. Mendelschen Regel (Spaltungsregel) erklären. Dazu gibt es sechs
verschiedene Paarungsvarianten.
Grafik von Silvia Orhan 03/2010 3
Es ist zu beachten, dass die berechneten Werte nur bei einer sehr ho-
hen Anzahl von Nachkommen exakt eintreten und bei einzelnen
WÜrfen erheblich von der Prognose abweichen können. Dabei wissen
wir bei schwarznasigen Hunden oft nicht, ob sie reinerbig
(homozygot) oder spalterbig sind. Die Frequenz des Allels b (als Allel
wird eine mögliche Ausprägungsform eines Genes bezeichnet, hier b
fÜr Livernose) in der Population kann lediglich geschätzt werden,
daraus lassen sich jedoch keine konkreten SchlÜsse, bezogen auf
eine bestimmte Paarung ziehen, sondern lediglich auf die ganze
Population. Ein Gentest der diese Frage klärt, dürfte lediglich eine
Frage der Zeit sein.
Die Vererbung des Dilute-Genes (D=unverdünnt intensive Farbe; d=
verdünnte nicht intensive Fellfarbe) erfolgt unabhängig von B und hat
nichts mit dem Vorkommen von livernosed in den davon betroffen Li-
nien zu tun, wie oft behauptet wird. Da jedoch vom Dilute-Gen prak-
tisch nur das Eumelanin (schwarzes Pigment) betroffen ist, sind Liver-
nose, bei denen Eumelanin fehlt, mit Dd und dd und schwarznasige
Hunde mit Dd nicht zu erkennen. Mit einem Gentest lässt sich deren
Status leicht feststellen.
Wechselnase (meist saisonal, braun aufgehellter Nasenspiegel) ist
eine Stoffwechselstörung, deren Ursache nicht abschliessend geklärt
ist, sie kommt bei vielen Rassen vor. Auch diese Störung hat mit
Sicherheit nichts mit dem Erbgang von B zu tun.
Das Exterieur
Das Zuchtziel ist, einen schönen farblich möglichst einheitlich braunen
Hund zu zÜchten. Dabei sollten sich Fellfarbe, Nasenschwamm,
Augen-farbe und Krallenpigment möglichst wenig voneinander
abheben. Be-sonders edel wirken rotweizenfarbene Tiere, heller
gefärbte Hunde wirken oft etwas fad.
Der ansonsten recht präzise abgefasste Standard des Rhodesian
Ridgeback sagt wenig aus Über Livernose.
Es gibt lediglich zwei Hinweise:
Der Nasenschwamm sollte schwarz oder braun sein.
Die Augenfarbe sollte mit der Fellfarbe harmonieren.
Livernose auszustellen ist eine schwierige Angelegenheit, die
wenigsten Richter sind in der Lage, die spezifischen Merkmale eines
Livernose korrekt zu beurteilen. Ich war schon bei Richtern, die nicht
einmal wussten, dass es diese Variante überhaupt gibt.
Eine Ridgeback-Spezialrichterin hat einmal am ganzen Hund
krampfhaft nach schwarzem Pigment gesucht - natürlich keines
gefunden - und dies als Fehler bemerkt. Grösste Schwierigkeiten
bereitet meist die Beurteilung der Augenfarbe. Richter aus
angelsächsischen und skandinavischen Ländern sind mit Livernose
meist etwas besser vertraut, weil sie dort eine grössere Verbreitung
haben. Ansonsten gelten für rotnasige Hunde dieselben
Anforderungen wie für schwarznasige.
Viele Livernose-Ridgebacks sind sehr elegant, trocken und von
leichtem Typ mit etwas knapper Knochenstärke. Die Rüden sind oft
gross und haben etwas wenig Substanz im Unterkiefer.
Die Zucht
Trotz der kleinen Anzahl rotnasiger Hunde stellt die Inzucht kein grös-
seres Problem dar, da die ganze Population zur Verfügung steht und
fast immer mit schwarznasigen Partnern verpaart wird. Auch fallen
immer wieder Livernose aus Verbindungen, wo man nicht unbedingt
damit rechnen kann. Bekannte Rüden, welche die Zucht geprägt
haben, sind Globe's Roving Red Regent, dessen Sohn Khwezi
Archenar, Bango Leoridge und dessen Söhne Hassani, Ihlobo und
Inyanga, alle of Ka-Ul-Li’s Ridges.
Der von Elisabeth Pestalozzi importierte Rüde Tandiwe Merigal's Mad
Gamble hinterliess ebenfalls eindrückliche Spuren. Zurzeit sind in der
Schweiz zwei nachweislich spalterbige Rüden zur Zucht zugelassen.
Es ist der auf Mad Gamble zurückgehende Rüde Merigal’s Runako
Tsavo und Makatso Junior of Ka-Ul-Li’s Ridges.
Ebenfalls spalterbig könnte der Rüde Dibaya Akilah's Peppe (Mashuri)
sein. Dessen Grossmutter väterlicherseits ist die bekannte Livernose
Hündin Kisangani Red Ruby und Grossvater mütterlicherseits ist
Hassani of Ka-Ul-Li’s Ridges. Auch Amiri de la Brigadière, ein Enkel
von Mad Gamble, könnte spalterbig sein, obwohl im Wurf mit
Merigal’s Paghera, einer nachweislich spalterbigen Hündin, keine
rotnasigen Welpen gefallen sind.
Bei den in der Schweiz gekörten Hündinnen steht die Livernose
Hündin Liwaza of Ka-Ul-Li’s Ridges in der Zucht.
Sicher spalterbig sind Merigal’s Phalana und Paghera sowie Mhondoro
Faraa of Indian Fire. Die aus Russland stammende Hündin Makena
könnte spalterbig sein, ebenso Baina Xarit d’Afrique, bei ihr sind
beide Eltern spalterbig. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf
Vollständigkeit, zeigt aber dass die Frequenz von b recht hoch ist.
Livernose Hunde in der Zucht einzusetzen macht nicht nur Sinn um
wiederum rotnasige Hunde zu züchten, sondern sie können die Farbe
schwarznasiger Hunde ganz wesentlich verbessern. Dies ist vor allem
bei zu russigem Fell und bei der Vielzahl zu dunkler Hunde ein
probates Mittel um die Anhäufung von schwarzem Pigment
(Eumelanin) zu mildern und die Farbe zu klären. Leider sind im
Moment europaweit sehr wenige Livernose Rüden fÜr die Zucht
verfÜgbar.
Es ist zu hoffen, dass in nächster Zeit vermehrt Livernose Ridgebacks
gezüchtet und auch auf Ausstellungen gezeigt werden, damit diese
edle Variante unserer wunderschönen Rasse einem breiten Publikum
bekannt wird.
Ihlobo of Ka-Ul-Li's Ridge
In ihm sind die Toplinien
Red Regent Über Kwezi Archernar
und Bango Leoridge vereint.
Mit seinen zwei BrÜdern Hasani
und Inyanga wird im Osten viel
gezÜchtet.
Foto © Lichtenauer
Globe's Roving Red Regent hat
die Ridgeback-Zucht weltweit
geprägt. Er wurde von den USA
nach SA im-portiert.
Foto aus dem Internet
Liwaza of Ka-Ul-Li's Ridges,
eine sehr elegante HÜndin.
Sie hat Ende September ihren
ersten Wurf bekommen.
Foto © S. Orhan 03/2010 5
Zurimahali Red Dabiku
Auf ihn haben wir lange
gewartet. Der erste
Livernose-Welpe aus
dem Kenel Zurimahali
Foto © Silvia Orhan
(erschienen in den Clubnachrichten RRCS im Dezember 2010)
Zum Autor
Walter Federspiel ist Dipl. Ing. Agr. FH Fachrichtung Tierzucht und Tierernährung.
Er hält und züchtet seit 30 Jahren Hunde, davon 13 Jahre Rhodesian Ridgeback. Mehr
Informationen: www.zurimahali.ch
ZURIMAHALI
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100 % der Nachkommen sind reinerbig schwarznasig
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50 % der Nachkommen sind reinerbig schwarznasig und 50 % spalterbig schwarznasig
25 % der Nachkommen sind reinerbig schwarnasig, 50 % spalterbig schwarznasig, 25 % rotnasig
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100 % der Nachkommen sind spalterbig schwarznasig
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50 % der Nachkommen sind spalterbig und 50 % reinerbig notnasig
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100 % der Nachkommen sind reinerbig rotnasig
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